Oase-Menschen in der Welt-Wüste

Unter den vielen verschiedenen Bäumen nimmt die Wüstenakazie eine besondere Stellung ein. Wenn sich solch ein kleines Pflänzchen in der Wüste aussamt, braucht es Nährboden und Wasser. Beides ist im Wüstensand natürlich schwer zu finden. Aber die Wüstenakazie gibt nicht auf. Die kleine Pflanze wandert durch den Wüstensand und senkt schließlich ihre Wurzeln bis zu 80 Meter tief in den Boden. Dort findet sie in den Urschichten Wasser und Nahrung. Nun wächst sie mitten in der Wüste auf. Um den Baum herum siedeln sich dann andere Pflanzen an, Menschen kommen und lagern in ihrem Schatten. So entsteht mitten in der Wüste ein kleiner Lebensraum, ein Mini-Biotop, eine Oase.

So sollen wir Menschen in der Wüste von Isolation und Einsamkeit, in der Steppe von Angst und Verzweiflung, im Sand der Nichtigkeit und Vergänglichkeit, in der Dürre von Schuld und Sorge, in der Sonnenglut von Leiden und Sterben ein kleiner Lebensraum sein. Dazu müssen wir unsere Lebenswurzeln tief hinabsenken in die uralte Geschichte Gottes mit seinen Menschen. Wer bis in die tieferen Schichten der Liebe Gottes wurzelt, wer aus der Kreuzigung und Auferstehung Jesu seine Lebenskräfte bezieht, wächst auf zu einem Hoffnungsbaum, der Schatten spendet für andere und einen Stamm bietet zum Anlehnen. Wer das Wasser des Lebens findet, der wird dann auch zu einem Ort des Lebens für andere, die in der Wüste unterwegs und müde, lebenshungrig und ermattet sind.

"Wer an mich glaubt, wie die Schrift sagt, von des Leibe werden Ströme lebendigen Wassers fließen!"

(Johannes 7,38)

Vom toten Holz zum lebendigen Baum

Ein Vater pflanzt mit seinem kleinen Jungen einen Baum. Sie nehmen das Bäumchen, Muttererde, den Spaten, sonnengewärmtes Wasser und graben im Garten eine Grube. Der Vater fragt den Jungen: "Was geschieht, wenn wir in das Erdloch ein Stück Holz legen?" "Es vermodert", antwortet der Junge. "Aber was passiert, wenn wir den Baum in die Erde pflanzen?" fragt der Vater weiter. Der Junge: "Er wächst!" "Ja", sagt der Vater, "aber es ist doch beides Holz und die gleiche Erde, das eine vermodert, das andere Holz wächst auf, wo liegt denn da der Unterschied?" Der Junge überlegt und sagt: "Das Bäumchen lebt, darum wächst es!"

Wir sind alle aus dem gleichen Holz. Wir stammen alle vom Baum Gottes ab. Aber wir sind durch die Sünde vom Lebenszusammenhang abgeschnitten. Wir sind noch Holz, und Holz ist wunderbar. Man kann es gut verarbeiten, aber es ist tot. Es kann in der Erde nur vermodern. Doch in der Begegnung mit Jesus kann aus dem toten Holz wieder ein lebendiger Baum werden. Wir sind berufen zur Gemeinschaft mit Jesus. Wir sollen nicht in der Erde vermodern, sondern mit unserem Leben den Zusammenhang mit Gott und seiner Lebenskraft wiederfinden.

Ohne Jesus können wir auf dieser Erde nur absterben. Mit Jesus, bei Gott wieder angewachsen, können wir auf der gleichen Erde aufblühen und Frucht bringen für Gott. Was wollen wir? Eine kleine Zeit abgeschnitten leben und dann vermodern? Oder wollen wir in der Gemeinschaft mit Jesus neu geboren werden und wie ein kleiner Baum aufwachsen und Bestand haben? In der persönlichen Begegnung mit Jesus werden wir vom toten Holz zum lebendigen Baum verwandelt.

Wer sich auf den Herrn verlässt, der ist wie ein Baum, am Wasser gepflanzt!

(vgl. Jeremia 17,7f)

Alle Berufe in einem

"Ich bin nur eine kleine Nonne. Aber ich fühle noch andere Berufungen in mir: Priester, Apostel, Lehrer, Märtyrer zu werden. Alles, was Heldenmut erfordert, möchte ich vollbringen. Oh Beruf eines Priesters! Mit welcher Liebe wollte ich Jesus in meinen Händen tragen. Mit welcher Liebe wollte ich ihn den Menschen darreichen. Wie die Propheten und Lehrer möchte ich ein Licht für die Menschen werden. Ich möchte die Welt durcheilen und den Namen Gottes verkünden und sein Reich aufrichten. – Dann begriff ich, dass die Liebe alle Berufe einschließt und alle Zeiten und alle Orte umspannt, weil sie ewig ist. Da rief ich in überquellender Freude: Endlich habe ich meinen Beruf gefunden, mein Beruf ist die Liebe. Ich habe meinen Platz gefunden, und du, mein Gott, hast mir diesen Platz gegeben. Im Herzen meiner Kirche werde ich die Liebe sein.‘ So werde ich alles sein. So wird sich mein Traum erfüllen."

(Therese von Lisieux)

Die Liebe ist die größte Geistesgabe!

(vgl. 1. Korinther 12,31; 13,13)

Vom Sinn der Arbeit

Drei Bauarbeiter sind dabei, Steine zu schleppen, als ein Vorübergehender sie anspricht. Er fragt den ersten Arbeiter: "Was tun Sie da?" "Ich trage Steine!" brummt der und sieht dabei nicht einmal auf. Was machen Sie?" fragt er den zweiten Arbeiter. Seufzend antwortet der: "Ich muss Geld verdienen, um meine große Familie ernähren zu können!" Schließlich wird auch der dritte Arbeiter gefragt: "Und was tun Sie?" Der blickt auf den Fragenden, dann auf das Bauwerk und sagt leise: "Ich baue mit an einem Krankenhaus!"

Es ist die gleiche Arbeit, aber es sind ganz verschiedene Motive. Alle menschliche Arbeit sollte auch eine lebendige Beziehung zum Menschen haben. Sie ist ein soziales Werk. Und alle menschliche Arbeit sollte eine lebendige Beziehung zu Gott haben. Sie ist ein geistliches Werk, ein Stück Gottesdienst. Wenn unsere Arbeit die soziale und geistliche Dimension verliert, verliert sie ihren Sinn. Wir werden sie dann entweder überschätzen und mit dem Leben gleichsetzen oder sie verteufeln und als Last empfinden.

Arbeit ist nicht das Leben, und Leben ist nicht Arbeit. Arbeit ist ein gutes Lebensmittel, aber nicht die Lebensmitte. Arbeit gehört in unseren Lebenskreis, aber sie ist nicht der Mittelpunkt. So gesehen, können wir die Arbeit dankbar tun, um sie eines Tages ebenso dankbar aus der Hand zu legen.

"Alles, was ihr tut mit Worten oder mit Werken, das tut alles in dem Namen des Herrn Jesus und danket Gott, dem Vater durch ihn!"

(Kolosser 3,17)

Der besondere Tag

"Es lebten einst sieben Brüder zusammen. Sechs gingen zur Arbeit, der siebte besorgte den Haushalt. Wenn die sechs Brüder müde von der Arbeit heimkehrten, fanden sie das Haus geordnet, das Essen bereitet und alles in bester Ordnung. Darüber freuten sie sich und lobten den siebten Bruder. – ,her einer der Brüder wollte klüger sein als die anderen. Er schalt den siebten Bruder einen Faulenzer und Tagedieb, der auch mit zur Arbeit gehen und sein Brot verdienen sollte. Das böse Wort fand leider bei den anderen Gehör. Sie beschlossen einmütig, dass ihr siebter Bruder nicht länger seines bisherigen Amtes wallten sollte. So nötigten sie ihn denn, gleich ihnen Axt und Karst zu nehmen und mit ihnen früh am Morgen an die Arbeit zu gehen. – Als nach langer schwerer Arbeit endlich der Feierabend kam. traten sie alle sieben zusammen den Heimweg an. Müde und abgespannt kehrten sie nach Hause. Aber kein heller, freundlicher Lichtschein winkte ihnen entgegen. Keine führsorgende Hand hatte das Hauswesen geordnet und den Tisch gedeckt. Kein Bruder stand an der Haustür und empfing sie mit einem herzlichen Wort. – Jetzt erst merkten sie, wie töricht sie gehandelt hatten, als sie ihren siebten Bruder seines stillen Dienstes enthoben. Sie fühlten sich, weil es ihre eigene Schuld war, doppelt elend und verlassen. Da beschlossen sie, ihn wieder in sein Amt einzusetzen. Das verlorene Glück des Bruderkreises kehrte mit seinem heimlichen Segen zu ihnen zurück."

Diese Geschichte wiederholt sich jede Woche. Der Sonntag ist unter seinen Werktagbrüdern der Tag, der den anderen sechs Tagen Licht, Heil und Segen bringt. Aber wir haben ihn verstoßen. Nun kommt von ihm keine Kraft, keine Ruhe, kein Frieden mehr. Wir müssen den Sonntag wieder in sein Amt einsetzen. Gott gab uns in der Reihe der Alltage einen besonderen Tag. Er ordnete nach den Arbeitstagen den Ruhetag. Er stiftete in der Abfolge der Werktage den Feiertag. Gott segnete und heiligte den siebten Tag und vollendete seine Schöpfung im Ruhen und Feiern. – Wer sich diesen Tag von Gott und für Gott nicht mehr gönnt, schneidet sich selbst von der Quelle und vom Ziel des Lebens ab. Er vergisst, dass das Leben nicht im Haben, sondern im Empfangen besteht. Er arbeitet nicht mehr, um zu leben, sondern er lebt, um zu arbeiten. Er gewinnt keinen Tag, sondern er verliert alle Tage. Wir müssen den Sonntag wieder in sein Amt einsetzen.

"Gedenke des Sabbattages, dass du ihn heiligest!"

(2. Mose 20,8)

Getröstet mit Nähe

Es war ein warmer Sommertag im Jahr 1945. Die Pracht der Sonne wollte gar nicht passen zu all dem Elend, das über Deutschland gekommen war. Mein Bruder und ich ahnten als kleine Kinder nichts von der schweren Last unserer Mutter, der mühevollen Sorge um das tägliche Brot und der bangen Gewissheit über das Schicksal unseres Vaters in russischer Gefangenschaft. Wir verloren uns an die kleinen Freuden eines sommerlichen Sandkastens. Wir Kinder hatten die Mutter, uns lachte die Sonne, wir fühlten den Sand. Wir entbehrten nichts.

Es war noch warm und hell, als uns Mutter abends zu Bett brachte. Wenn wir eingeschlafen waren, brach Mutter mit dem Fahrrad auf, um von einem kleinen Acker weit draußen vor der Stadt ein wenig Gemüse zu holen. Nach einem ersten festen Schlaf wachten wir noch einmal auf. Wir riefen nach der Mutter. Keine Antwort. Wir liefen durch die Wohnung, suchten in allen Räumen. Eine Wahnsinnsangst packte uns und trieb uns hinaus in den Garten. Wir riefen und weinten. Niemand hörte uns. Tiefe Verlassenheit, Angst und Hilflosigkeit erfüllte uns.

Barfuß, weinend und im Nachthemd lief ich auf die Straße. An der Ecke begegnete mir ein englischer Soldat. Ich lief auf ihn zu und redete auf ihn ein. Dann sagte er zu mir etwas. Aber wir verstanden uns nicht. So standen wir uns gegenüber. Ein kleiner Junge und ein großer Soldat. Barfuß ich, in Stiefeln er. Kinderhände, die Tränen abwischend, Männerfäuste, die ein Gewehr hielten. Ein verwirrter Kinderkopf, ein blinkender Stahlhelm. Wir konnten uns nicht verstehen. und er konnte mir nicht helfen. – Sooft mir das Bild wieder in den Sinn kommt, wird es

mir zum Bild für das Leben. Auf der Suche nach Geborgenheit, getrieben von Verlustangst und Sorge, erfüllt von Verlassenheit laufen wir ständig auf die Straßen der Welt. Eine voll ausgerüstete, technisch perfekte Welt begegnet uns. Aber es gibt keine Verständigung und Hilfe. So standen wir uns gegenüber. Wir konnten uns nicht verstehen und helfen. Da kam meine Mutter auf ihrem Rad um die Ecke. Sie nahm mich bei der Hand. Wir gingen nach Hause. Mein Bruder kam erleichtert hinter dem Gartenzaun hervor. Mutter beruhigte uns und brachte uns wieder zu Bett. Es war alles gut. Die Verlustangst war durch die Nähe der Mutter überwunden. – Gott ist wie eine Mutter. Er nimmt unsere Hand, beruhigt unser Herz und überwindet unsere Angst durch seine liebende Gegenwart.

"Wenn mein Geist in Ängsten ist, so nimmst du dich meiner an!"

(Psalm 142,4)

Aufblühen und ausreifen

Ein Sonnenblumenkern sollte mit vielen anderen in die Erde gesenkt werden. Das wollte er aber nicht. Er entwischte der Hausfrau in einem günstigen Moment und versteckte sich unter einem Schrank "Man darf nicht immer über sich verfügen lassen", sagte der Kern und fristete nun ein recht unruhiges Leben unter dem Schrank. Im Kampf um sein Leben – er war ja immer auf der Flucht vor Besen und Putzlappen, wenn diese unter den Schrank fuhren – hatte er manche Not zu bestehen. Aber was tat’s, er war dabei doch sein eigener Herr. Bis zum herbstlichen Hausputz! Da wurde er entdeckt und als wertloser Kern auf den Abfallhaufen am Gartenzaun geworfen.

"Man hat mich in meinem Wert völlig verkannt", sagte der Sonnenblumenkern zu dem welken Rosenblatt auf dem Komposthaufen. "ich gehöre nicht hierher, ich habe wertvolle Öle in mir!" – Da neigte sich eine große, goldene Blütensonne zu ihm herab. "Wer bist du?" schrie der kleine Kern; ganz hingerissen von so viel Schönheit. "Eine Sonnenblume! Ich wurde als Samenkorn vor Monaten in die Erde gelegt." "Ich will auch in die Erde", rief der Kern, "ich will auch!" "Zu spät! Die Saatzeit ist vorbei und dein Leben vertrocknet", sagte die Sonnenblume und wandte ihr schönes Blütengesicht mit der reifenden Frucht darin dem Licht zu.

Nichts Schöneres, als unter der Sonne zu sein

Die Sonne taucht alles Leben in einen zauberhaften Glanz. "Es gibt nichts Schöneres unter der Sonne, als unter der Sonne zu sein" (Ingeborg Bachmann). Und im Buch Prediger heißt es: "Es ist das Licht süß, und den Augen lieblich, die Sonne zu sehen" (Prediger 11,7).

Was ist ein Sommer ohne Sonne? Er geht vorüber. Aber es fehlen zwei wesentliche Dinge: der Glanz und die Frucht. Das Sonnenlicht überstrahlt die Tage, wärmt die Menschen, die Erde, das Wasser und läßt die Früchte reifen auf den Feldern, an den Bäumen und in den Weinbergen.

Was ist ein Leben ohne Gottes Liebe? Es geht vorüber. Aber es fehlen zwei wesentliche Dinge: der Glanz und die Frucht. Mit Gott werden unsere Tage schön, sinnvoll und fruchtbar. Wenn es Herbst wird im Leben, und es ist nichts gewachsen, was Gott ernten könnte, das wäre traurig. Wenn unser Leben wie ein welkes Blatt vom Baum der Geschichte abfällt, in die ewige Nacht hinausweht und verloren ist, wie furchtbar wäre das. Ein Sommer ohne Sonne und ein Herbst ohne Ernte sind traurig. Ein Leben unter der Liebe Gottes, das zu einer bleibenden Frucht für Gott ausreift, das ist wunderbar. Lichtquelle ist immer auch Lebensquelle. Und beides finden wir nur in Gott.

Die Sonne, die wir zum Leben brauchen

"Nichts ist so fein gesponnen, kommt alles an die Sonnen!" sagt eine alte Lebensweisheit. Wir haben bei aller Sehnsucht nach Licht und Klarheit doch auch Angst vor der Wahrheit. Wir möchten die Wahrheit und fürchten sie doch.

Einige Jungen einer kleinen Stadt schrieben an stadtbekannte Persönlichkeiten einen Brief mit nur einem Satz: "Es ist alles rausgekommen!" Die Folgen dieses üblen Scherzes waren furchtbar. Einer der Männer nahm sich das Leben. Ein anderer verließ die Stadt. Der dritte Mann wagte sich Monate nicht auf die Straße.

Die Sonne bringt es an den Tag. Vor Gott ist "alles rausgekommen". Alles was wir gedacht und gesagt, getan und gelebt haben. Darum haben wir Angst vor dem Licht, fürchten die Wahrheit, denn die nackte Wahrheit stellt bloß, verletzt und tötet.

Wie gut, dass Gottes Licht nicht nur die Wahrheit aufdeckt, sondern auch in Liebe zudeckt. Gott will uns nicht bloßstellen und verwunden. Gott will unsere wunden Stellen nicht berühren, um darin lustvoll herumzukratzen, sondern um sie zu heilen. Wie einem guten Arzt dürfen wir Gott unsere kranken und wunden Stellen bringen, denn er will sie verbinden und heilen.

In unserer Welt gibt es oft die Wahrheit ohne Liebe, dann wieder die Liebe ohne Wahrheit. Wenn Menschen sich lieblos die Wahrheit ins Gesicht sagen und sich liebevoll belügen, werden sie sich immer wehtun und entwürdigen. In Jesus aber sind die ganze Wahrheit und die ganze Liebe eins. Jesus hat nie etwas mit dem Mantel der Liebe zugedeckt, was nicht in Wahrheit aufgedeckt war. Aber er hat auch nie jemanden mit Wahrheit entborgen, ohne ihn dann mit Liebe zu bergen.

Die Sonne ist beides: helles Licht und heilende Wärme. Gottes Licht ist wie die Sonne: die ganze Wahrheit und die ganze Liebe zu uns. In Jesus liegt der Treffpunkt von Wahrheit und Liebe. Jesus ist die Sonne, die wir brauchen.

"Gott der Herr ist Sonne und Schild, der Herr gibt Gnade und Ehre!"

(Psalm 84,12)

Ein Blumenstrauß voller Leben

Es war einmal ein kleines Mädchen, das wollte das Leben zu einem bunten Blumenstrauß zusammenbinden. Es nahm den roten Klatschmohn voller Rausch, die Kornblumen mit ihrem Himmelsblau, pflückte den herben Löwenzahn mit seiner gelben Unverwüstlichkeit und das Buschwindrüschen mit seiner roten Zartheit dazu, verband die lachenden Sommerblumen mit dem tränenden Herz, mischte Sonnenblumen mit Schneeglöckchen, ließ Frühlingstulpen und Herbstastern einander zulächeln, fügte liebevoll die bezaubernden Düfte der Rosen dazu und band sich schließlich als Lilie selbst in den herrlichen Strauß hinein.

Der Blumenstrauß blühte voller Leben, strahlte Zauber aus und duftete nach Glück. Das Mädchen freute sich an dem Strauß des Lebens, bis es ängstlich daran dachte, wie schnell die Blüten verwelken würden. Ein Freund riet ihr, die Blumen in das Haus Gottes auf den Altar zu bringen.

Gott sah den Strauß voller Leben und schenkte dem Mädchen einen wunderbar weißen Christusdorn. Der Strauß wurde noch schöner, das Mädchen noch fröhlicher, und mit all den anderen Blumen reifte es heran, wurde zur Frau und schenkte sich Gott.

Gott sah den Strauß voller Freude und schenkte der Frau einen wunderbar roten Feuerdorn. Der Strauß wurde von Liebe durchglüht, von Leidenschaft in Brand gesteckt, bekam einen unbeschreiblichen Glanz und noch mehr Zauber des Lebens. Hier und dort zeigten sich neue Blüten und Blätter.

Um sie zu schützen, stellte die Frau den Strauß noch näher an die Güte Gottes heran. Gott sah den Strauß voller Liebe und schenkte der Frau einen wunderbar blühenden Schwarzdorn.

Da wurde der Strauß noch einmal reicher und schöner, erhabener und reiner. Er leuchtete wie Zuversicht und Hoffnung, duftete wie Geborgenheit und Reife. Da nahm Gott den Strauß ganz in seine Hand und verwandelte ihn in einen Korb voller Früchte. Er tat es so behutsam, dass man das Verwelken gar nicht wahrnehmen konnte.

"Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien. Sie wird blühen und jubeln in aller Lust und

Freude!" (Jesaja 35,1f)