Die Bettlerschale wird niemals voll

Ein Bettler sagte einst zu einem König, der ihm ein Almosen geben wollte: "Gebt mir, was Ihr wollt, doch ich möchte eine Bedingung stellen." Der König horchte auf. Noch nie war ihm ein solcher Bettler begegnet: "Und wie lautet deine Bedingung?" "Ihr müsst meine Schale ganz füllen!" "Nichts leichter als das", meinte der König lachend, "auch mit Diamanten kann ich deine Schale füllen!" So ließ er Diamanten in die Schale des Bettlers schütten. Doch sobald sie hineinfielen, waren sie verschwunden. Der König rief zornig: "Vor diesem Bettler will ich nicht zuschanden werden, und gälte es mein Königreich!"

Aber alle Edelsteine, die er in die Schale füllen ließ, verschwanden. Endlich überwand der König seinen Stolz und bat den Bettler, ihm doch das Geheimnis der Schale zu verraten. "Die Schale", erklärte der Bettler, "ist die Schale der menschlichen Habgier. Sie begehrt alles, bleibt jedoch immer leer und ist niemals gefüllt!"

Alle Reichtümer auf Erden erwecken nur Verlangen nach mehr, ohne es je stillen zu können. Selbst die Edelsteine von Ruhm und Ansehen und auch die Diamanten der geistigen Erkenntnisse und technischen Fortschritte werden von der Bettlerschale des Lebens verschlungen, denn sie wird niemals voll!

"Habsucht ist eine Wurzel allen Übels; wie etliche gelüstet hat und sind vom Glauben abgeirrt und machen sich selbst viel Schmerzen!"

(I. Timotheus 6,10)

Das bessere Feuer

Ein Student geht auf den Vorplatz der Universität, stellt seine Tasche ab, nimmt einen Kanister und übergießt sich mit Benzin. Ein Streichholz flammt auf, und bevor jemand begreifen oder eingreifen kann, verbrennt der junge Mann bis zur Unkenntlichkeit. Die Polizei nimmt die Aktentasche an sich und findet darin einen Zettel mit dem Vermächtnis des Studenten: "Ein Leben ohne Hoffnung in einer Welt ohne Liebe endet mit einer sinnlosen Geste!" In dieser ehrlichen und erschütternden Bilanz eines Menschenlebens sind drei Fragen enthalten, die alle Menschen umtreiben und an letzte Grenzen führen: 1. Wer gibt uns eine lebendige Hoffnung über alles Sterben und Vergehen hinaus? 2. Wer birgt uns mit einer tragfähigen, am Ende noch gültigen Liebe? 3. Wer sagt uns für das Leben mit all seinen Tiefen und Geheimnissen einen Sinn zu?

Die Fragen nach Hoffnung, Liebe und Sinn haben wir im Herzen, aber die Antwort steht nicht in unserer Hand. So kommen wir an Grenzen und müssen bescheiden unsere Überforderung eingestehen. Wenn wir dann aus höherer Hand die lebendige Hoffnung empfangen, die persönliche Beziehung zu Jesus, dem Kommenden, haben wir eine Kraft, die über uns hinausgeht. Die Liebe Jesu trägt und birgt unser Leben so vollkommen, dass wir dann auch den Sinn unseres Lebens darin finden, diese Liebe weiterzugeben und sie zu anderen Menschen bringen.

Zu einer verzweifelten und sinnlosen Selbstverbrennung gäbe es eine wirkliche Alternative: Lassen wir uns mit der Liebe Jesu übergießen, dann mit dem Feuer des Geistes Gottes anzünden und eine lebendige Fackel der Hoffnung werden, damit andere Menschen sich daran wärmen und aufrichten können. Sich mit Benzin zu übergießen und zu Asche zu verbrennen, ist wirklich sinnlos und verzweifelt. Aber für Jesus zu brennen, von seiner Liebe angezündet, eine wärmende Flamme der Hoffnung für die Welt zu sein, das macht Sinn. Das Feuer Gottes verbrennt uns nicht zu Asche, sondern das Feuer der Liebe Jesu entflammt zum Leben, zu einem sinnvollen Leben hier und zu einem ewigen Leben dort. Die Liebe Jesu ist das bessere Feuer.

Zünde an dein Feuer, Herr, im Herzen mir,
hell mög es brennen, lieber Heiland dir.
Was ich bin und habe, soll dein Eigen sein.
In deine Hände schließe fest mich ein!"

(Berta Schmidt-Eller)

Feuer der Liebe

Es gibt viele Feuer. Wir kennen die Glut der Leidenschaft, lodernden Zorn, glühenden Hass, brennenden Eifer, feuriges Temperament. Alle Feuer haben eines gemeinsam: sie lassen schmutzige, graue Asche zurück. Menschen brennen vor Begeisterung, werden vom Feuer der Leidenschaft entfacht, erglühen im Zorn und Eifer, lodern auf im Idealismus oder vor Wut und Hass. Aber alle diese Feuer verbrannten schließlich die Menschen und ließen Asche zurück.

Es gibt ein Feuer, das Menschen in Brand steckt, ohne sie zu verbrennen. Das Feuer der Liebe Gottes entfacht, aber verzehrt den Menschen nicht. Gottes Liebe lässt den Menschen zu einer hellen Flamme des Lebens aufleuchten, aber es bleibt keine Asche zurück. Das hat Mose schon damals in der Wüste erlebt. Vierzig Jahre hütete er die Schafe seines Schwiegervaters. Wie of t hatte er einen Dornbusch von der Sonnenglut entzündet brennend zu Asche werden sehen. Aber eines Tages war es anders. Der Busch brannte und verbrannte nicht. Das war die Wirklichkeit Gottes, die anders ist als alle Feuer dieser Welt. Mose bog von seinem Weg ab und begegnete Gott und der Berufung seines Lebens.

Wenn uns Gott mit seiner Liebe anzündet, mit dem Feuer seines Geistes brennend macht, dann verbrennen wir nicht, sondern werden zu einer lodernden Fackel der Hoffnung und Freude.

"Ich bin gekommen, dass ich ein Feuer anzünde auf Erden; was wollte ich lieber als dass es brennete schon!"

(Lukas 12,49)

Macht des Lebens

Matthias Claudius erzählt eine Parabel von den Menschen, die sich vor langer Zeit mühsam ernähren mussten von dem, was Bäume und Büsche an Nahrung gaben. Sie kannten noch keinen Anbau des Ackers. Dann kam ein Mann zu ihnen und zeigte ihnen, wie man die Erde pflügen und düngen, wie man Saaten säen und pflegen muss. Und dann sagte er ihnen: "Das alles müsst ihr machen, und das übrige tun die Einflüsse des Himmels." Die Menschen waren erstaunt, als aus ein paar Körnern, die sie in die Erde legten, schließlich Halme und Ähren wuchsen, und sie ernteten reichlich. – Eines Tages sagten die Leute: "Das ist uns zu unbequem, unter freiem Himmel und Wind und Regen ausgesetzt zu arbeiten. Wir ziehen Wände hoch, machen uns ein schönes Dach darüber, dann haben wir es trocken und geschützt." Andere wandten ein: "Denkt daran, was der Bote sagte: Das übrige tun die Einflüsse des Himmels!" "Ach", sagten die anderen, "die Einflüsse des Himmels werden so wichtig nicht sein. Man sieht sie doch gar nicht. Und wenn einigen so viel daran liegt, können wir ja an die Decke der Halle einen Himmel malen." Schließlich bauten sie eine wunderschöne Halle über das Feld, ackerten und pflügten, säten und düngten, aber es wuchs nichts mehr. Trotz des gemalten Himmels an der Decke wuchs nichts, weil die Einflüsse des Himmels fehlten. – Eine Parabel über das menschliche Leben. Die Macht Gottes, die Kraft des auferstandenen Christus, die Einflüsse des Heiligen Geistes werden schon so wichtig nicht sein, man sieht sie doch gar nicht. Und manche malen an die Decke ihres Lebenshauses: Jesus lebt! Eine religiöse Dekoration eines ichbezogenen Lebens aber reicht nicht. Wir brauchen die Macht Gottes, wir brauchen die Lebenskraft Jesu Christi, wir sind auf die Weisungen und Einflussnahmen des Geistes Gottes angewiesen. Wir brauchen den offenen Himmel für ein erfülltes Leben auf Erden. Menschen sind in allem auf Gott angewiesen.

Frei und doch geborgen

Wenn Menschenhände nach uns greifen, erleben wir oft zwei Extreme. Entweder die Hände schließen sich zu fest und zerdrücken uns. Oder sie öffnen sich viel zu weit, und wir fallen heraus. Wie viele Menschen sind gewaltsam unterdrückt und innerlich abhängig, oder andere sich selbst überlassen und in den Dreck des Lebens gefallen.

Die Hände Jesu schließen sich so sorgsam um unser Leben, dass es festgehalten, aber nicht zerdrückt wird, dass es sich entfalten, aber nicht herausfallen kann. Jesus hält mit seinen liebenden Händen die Spannung von Weite und Wärme, Freiheit und Geborgenheit, Entfaltung und Bewahrung aus. Unter den Händen Jesu darf sich unser Leben zu jener letzten Berufung entfalten, die Gott in uns hineingelegt hat, ein Ort des Lebens zu werden. In seinen Händen bleibt uns ein Lebensraum der Freiheit und Geborgenheit, der Weite und Wärme. Dort sind wir festgehalten und losgemacht, geborgen und gebraucht, bewahrt und bewährt.

Jesus spricht: "Meine Schafe hören meine Stimme, und ich kenne sie, und sie folgen mir; und ich gebe ihnen das ewige Leben, und sie werden nimmermehr umkommen, und niemand wird sie aus meiner Hand reißen!"

(Johannes 10,27f)

Das Leben sichern

Ich denke an einen jungen Mann, der sich seinen Traum von einem schweren Motorrad erfüllte. Er sauste durch die Gegend und genoss die Geschwindigkeit, fühlte den Rausch und die Freiheit, den Wind und die Weite. Vorne auf das Schutzblech seiner Maschine hatte er einen Aufkleber angebracht, der seine Lebenseinstellung zusammenfasste: "Mich wirft keiner um!"

Eines Tages stand in der Zeitung der Bericht von einem Verkehrsunfall. Die Nachricht war überschrieben mit der Zeile: "Tödlicher Irrtum!" Das Motorrad konnte man verbeult am Straßenrand sehen, und der junge Mann war tot. "Mich wirft keiner um!" Welch ein Irrtum.

Schreiben wir das auch über unser Leben, an unsere Stirn: "Mich wirft keiner um. Wir schaffen das schon. Wir werden das Leben meistern"? Hemdsärmlig, pausbäckig und überheblich stehen wir dem Leben gegenüber. Das ist ein tödlicher Irrtum. Wir können unser Leben nicht selbst sichern. Das Leben in die eigenen Hände und eigene Regie nehmen ist wie ein Griff nach dem Strohhalm. Denn, gemessen an den handfesten Problemen des Lebens, sind wir nur ein winziger, zerbrechlicher Strohhalm. Aber Gott selbst greift in seiner Liebe nach uns. Jesus Christus ist der Griff Gottes nach dem Menschen.

Das Leben sichern ist dann nicht mehr unser Zugriff, der letztlich ins Leere packt, nicht unser ängstliches und vergebliches Bemühen um Sicherung und Überleben, sondern Gottes liebender Griff nach unserem kleinen, zerbrechlichen Leben.

"Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, und den glimmenden Docht wird er nicht auslöschen!"

(Jesaja 42,3)

Die liegengelassenen Bibeln

Enrino Dapozzo, aus Italien stammender Evangelist, erzählt von seiner Missionsarbeit in der französischen Schweiz und Frankreich:

"Vor einiger Zeit gab ich in einigen Zeitungen Inserate auf, in denen ich um Bibeln bat, auch alte und gebrauchte. Lange hörte ich nichts. Dann kam eine Nachricht von einem Gastwirt: ,Werter Herr, kommen Sie vorbei. Ich habe viele Bibeln zu verschenken.‘ Ich machte mich sofort auf den Weg. Ein freundlicher Gastwirt empfing mich. ‚Ich habe einen ganzen Berg von Bibeln. Sehen Sie, dort ist die Kirche. Dort werden die Hochzeitspaare kirchlich getraut und bekommen vom Pfarrer eine wunderbare Bibel. Vorn auf dem ersten Blatt stehen die Namen des Paares und die Daten. Nach der Trauung kommt die ganze Hochzeitsgesellschaf t zu mir ins Wirtshaus. Sie essen gut und trinken reichlich. Und wenn sie fortgehen, reißen sie aus der Bibel die erste Seite mit ihrem Namen raus, stecken sie ein und lassen die Bibel bei mir zurück!‘ Dann führte mich der Wirt in ein kleines Nebenzimmer, und dort lagen 62 Bibeln auf dem Tisch, neu und liegengelassen!"

So machen es viele Menschen: Ihren Namen nehmen sie ernst und wichtig, halten ihn in Ehren und rahmen ihn ein, aber Gottes Namen und sein Wort lassen sie liegen. Gottes Wort und unser Name gehören zusammen, und wir reißen sie auseinander. Wir nehmen unsere Seite mit, und Gottes Wort lassen wir unbeachtet. Das Leben wird im eigenen Namen gelebt und nicht im Namen Gottes geführt und gestaltet. Die Bibeln bleiben liegen, und wir gehen weiter. So bringen sich viele Menschen um den kostbarsten Schatz, den es gibt: Worte des Lebens und der Liebe, Worte der Freude und Zuversicht, Worte der Hoffnung und Macht.

"Ich möchte lieber alles verlieren und dich finden, Gott, als alles gewinnen und dich nicht finden."

(Augustinus)

Viele Seiten und ein Buch

Vor 25 Jahren bekamen meine Frau und ich zu unserer Trauung eine Bibel geschenkt. Sie umfasst 2500 Seiten. Jede Seite der Bibel ist nur einmal da, also einmalig. Keine Seite ist das Ganze, aber jede Seite ist für das Ganze wichtig. Alle Seiten zusammen enthalten die wunderbarsten und wichtigsten Worte der Welt. 25 Jahre lang haben wir jeden Tag in dieser Bibel gelesen und geblättert, gearbeitet und gesucht. Dass alle 2500 Seiten heute noch ganz und heil, vorhanden und brauchbar sind, liegt an dem sorgsamen Einband, der all die vielen dünnen Seiten schützt und zusammenhält. Ich habe mich oft gefragt, wo die einzelnen Seiten wohl heute nach so vielen Jahren wären, wenn sie nicht so fest eingebunden wären in das Buch. Jede einzelne Seite wäre vielleicht zerrissen, verknickt, abhanden gekommen oder verlegt, vom Winde verweht oder im Trubel untergegangen. Aber eingebunden sind alle Seiten noch vorhanden und vollständig, lesbar und brauchbar. – Auch die einzelnen Christen sind wie viele Seiten eines Buches. Jeder ist anders. Keiner ist das Ganze, aber alle zusammen bilden die ganze Gemeinde. Jeder Christ braucht, damit er bewahrt und brauchbar bleibt, den sorgsamen Einband in einer Gemeinde. Christen als Lose-Blatt-Sammlung haben keinen Bestand. Schnell sind sie zerrissen, verweht, geknickt und untergegangen. Aber als Gemeinde sind wir einmal bewahrt, und dann sind wir nur im Einband auf Dauer zu gebrauchen. So wie die vielen verschiedenen Seiten eines Buches in ihrer Einmaligkeit und Ergänzung das Ganze bilden, so sollen auch wir Christen uns gegenseitig ergänzen und als Gemeinde der Welt das ganze Zeugnis Gottes weitergeben. Und noch eines fällt mir an der Bibel auf. Vom Goldschnitt sieht man nur etwas, wenn alle Seiten zusammenliegen. Jede einzelne Seite leuchtet fast überhaupt nicht. Aber alle Seiten zusammen verbreiten einen starken Glanz. So können wir als Lichter in der Welt nur in der Gestalt der Gemeinde leuchten und wirken. Allein wirken wir blass und winzig, aber zusammen bilden wir eine ausstrahlungskräftige Gemeinde.

"Über alles aber ziehet an die Liebe, die da ist das Band der Vollkommenheit!"

Umkehr zum Leben

Viele Menschen haben Gott gesucht und ihn schließlich auch gefunden. Manche Menschen haben Gott bekämpft, und Gott hat sie schließlich überwunden. So ging es Paulus vor Damaskus. Und so ging es in unserem Jahrhundert Sadhu Sundar Singh aus Indien. In seiner Jugend war er ein fanatischer Gegner des Christentums. In Gegenwart seiner Eltern zerriss er das Neue Testament und warf es voller Hass ins Feuer. Nach schweren inneren Kämpfen erlebte er am 18.12.1904 eine Erscheinung des erhöhten Christus. Sadhu Sundar Singh hat selbst darüber berichtet: "In alle Ewigkeit werde ich weder sein liebevolles Antlitz noch die Worte vergessen, die er an mich richtete: Siehe, ich bin für dich und die ganze Welt am Kreuz gestorben; was verfolgest du mich?‘ Diese Worte brannten sich mit Blitzesschärfe in mein Herz, ich fiel zu Boden, und mein Herz füllte sich mit unaussprechlicher Freude und seligem Frieden."

Diese Vision änderte sein ganzes Leben. Viele Länder Asiens und Europas hat Sadhu Sundar Singh evangelisierend durchzogen. Seine realistische, vollmächtige Verkündigung machte ihn in der ganzen Welt bekannt.

Jesus, der Knecht Gottes, wird die Starken zum Raube haben, dafür dass er sein Leben in den Tod gegeben hat!

(vgl. Jesaja 53,12)

Die Liebe kennt kein Übermaß

Viele schöne Dinge behalten ihren Zauber nur in maßvollen Grenzen. Eine leckere Mahlzeit macht nicht nur dem Gaumen Freude, sie ist eine Labsal für den ganzen Menschen. Aber Essen im Übermaß verursacht Überdruss und Übelkeit. Trinken stillt den Durst und schafft eine tiefe Befriedigung. Wer über den Durst trinkt, tauscht Wohlsein mit Unwohlsein. Spiel und Sport tun dem Körper gut und machen die Seele fröhlich. Wer seinen Körper im Übermaß fordert, macht ihn kaputt. Laufen und Wandern bringen uns in Bewegung und zu mancher neuen Erfahrung. Wer es übertreibt, wird zum Kilometerfresser und schließlich Opfer der Ruhelosigkeit. Schlafen bringt neue Kräfte und Erholung. Wer zuviel schläft, wird schlaff und träge. Die körperliche Liebe bereitet in den von Gott gesetzten Grenzen der Ehe eine tiefe Lust und Freude. Wer die Grenzen überschreitet, findet schnell zu Abscheu und Ekel. Selbst die Arbeit hat in einem guten Maß tiefe Freude und Sinnfülle für uns Menschen bereit. Doch Arbeit im Übermaß erniedrigt zum Arbeitstier und raubt uns die Menschenwürde. Geld und Macht, Ruhm und Wissen können in Grenzen wertvolle Lebenshelfer sein. Aber im Übermaß sind sie oft verderblich. – Eigentlich jeder Genuss bleibt in Maßen als Vor- und Nachfreude erhalten. Das Übermaß jedoch macht alles Schöne, Wertvolle, Lustvolle und Zauberhafte zunichte.

Allein in einer echten, tiefen Liebe, die aus Gott zum Menschen und durch ihn hindurch zu anderen strömt, gibt es kein Übermaß. Der Liebe sind keine Grenzen gesetzt. Auch eine maßlose Liebe verkehrt sich nicht in ihr Gegenteil. Gottes Liebe zu uns ist grenzenlos und maßlos. Beim Verschenken dieser Liebe an andere gibt es kein Übermaß, keine Übertreibung und kein Umkippen.

Meistens ist das maßlose Zuviel der Anfang vom Nichts! Nur in der Liebe ist das Grenzen überschreitende Mehr der Anfang der Vollendung.

"Das ist mein Gebot, dass ihr euch untereinander liebt, gleich wie ich euch liebe!"

(Johannes 15,12)