Im Schutz des großen Baumes

Großer Baum (Igabiro) heißt ein Behindertenheim in Afrika, das von der evangelischen Kirche Tansanias westlich des Viktoriasees geführt wird. Sechzig behinderte Menschen finden hier Aufnahme und Geborgenheit. Im Schutz des "Großen Baumes" werden Menschen, die sonst hilflos und ratlos wären, betreut und versorgt. Fürsorge und Lebenshilfe wird mit einem großen Baum verglichen, der Schatten spendet, Schutz gewährt, wie ein Dach zudeckt, einen festen Stamm zum Anlehnen bietet und Früchte zum Überleben bringt.

Unser Leben kann wie ein guter, großer Baum sein. Es wurzelt ganz tief in der Liebe Gottes. Es wächst hoch auf unter der Sonne seiner Barmherzigkeit. Es breitet sich einladend weit aus zum Schutz und Schatten für andere Menschen. Es hat einen festen, starken Stamm, der in Stürmen Halt und Bewahrung schenkt. Unser Leben wächst dem Himmel entgegen und bringt dabei kostbare Früchte hervor.

Ein Baum ist schön und wie ein Zeichen.
Wir Menschen können Bäumen gleichen.
Die Wurzeln greifen tief nach innen,
um Halt im Erdreich zu gewinnen.
Sie trotzen jedem Wind und Wetter
und tragen Stamm, Geäst und Blätter.
Wenn wir mit Gott verbunden leben,
wird er uns Halt und Stärke geben.
Ein Baum am Wasser kann gedeihen,
hat frisches, grünes Laub zum Freuen.
Es blüht und öffnet sich zum Lichte
und bringt zu seiner Zeit viel Früchte.
Wenn wir mit Gott verbunden leben,
wird er uns Frucht und Freude geben.
Ein Baum ist schön und wie ein Zeichen.
Wir Menschen sollen Bäumen gleichen.

(G. Otto)

Das Böse überwinden

Der bekannte Evangelist Dapozzo erzählt: ,Jahrelang habe ich um meines Glaubens willen in einem deutschen Konzentrationslager gelitten. Ich wog nur noch 45 Kilogramm, und mein ganzer Körper war mit Wunden bedeckt. Mein rechter Arm war gebrochen und ohne ärztliche Behandlung gelassen. Am Weihnachtsabend 1943 ließ mich der Lagerkommandant rufen. Ich stand mit bloßem Oberkörper und barfuss vor ihm. Er saß an einer reichgedeckten, festlichen Tafel. Stehend musste ich zusehen, wie er sich die Leckerbissen schmecken ließ. Da wurde ich vom Bösen versucht: Dapozzo, glaubst du immer noch an den 23. Psalm: Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde, du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein. Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang!‘ Im stillen betete ich zu Gott und konnte dann antworten: ‚Ja, ich glaube daran!‘ Die Ordonanz brachte Kaffee und ein Päckchen Kekse. Der Lagerkommandant aß sie mit Genuss und sagte zu mir: ‚Ihre Frau ist eine gute Köchin, Dapozzo!‘ Ich verstand nicht, was er meinte. Er erklärte es mir: ‚Seit Jahren schickt Ihre Frau Pakete mit kleinen Kuchen, die ich immer mit Behagen gegessen habe.‘ Wieder kämpfte ich gegen die Versuchung an. Meine Frau und meine vier Kinder hatten von ihren ohnehin kargen Rationen Mehl, Fett und Zucker gespart, um mir etwas zukommen zu lassen. Und dieser Mann hatte die Nahrung meiner Kinder gegessen. Der Teufel flüsterte mir zu: ‚Hasse ihn, Dapozzo, hasse ihn!‘ Wieder betete ich gegen den Hass an um Liebe. Ich bat den Kommandanten, wenigstens an einem der Kuchen riechen zu dürfen, um dabei an meine Frau und meine Kinder zu denken. Aber der Peiniger gewährte mir meine Bitte nicht. Er verfluchte mich.

Als der Krieg vorüber war, suchte ich nach dem Lagerkommandanten. Er war entkommen und untergetaucht. Nach zehn Jahren fand ich ihn schließlich und besuchte ihn zusammen mit einem Pfarrer. Natürlich erkannte er mich nicht. Dann sagte ich zu ihm: ‚Ich bin Nummer 17531. Erinnern Sie sich an Weihnachten 1943?‘ Da bekam er plötzlich Angst. ‚Sie sind gekommen, um sich an mir zu rächen?‘ Ja, bestätigte ich und öffnete ein großes Paket. Ein herrlicher Kuchen kam zum Vorschein. Ich bat seine Frau, Kaffee zu kochen. Dann aßen wir schweigend den Kuchen und tranken Kaffee. Der Kommandant begann zu weinen und mich um Verzeihung zu bitten. Ich erzählte ihm, dass ich ihm um Christi willen vergeben hätte. Ein Jahr später bekehrte sich dieser Mann und seine Frau zu Christus."

"Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem!"

(Römer 12,21)

Was Liebe vermag

In einem Dorf lebte ein Christ, mit dem man allerhand Schabernack trieb. Man wollte den "Frommen" ärgern und ihn auf die Probe stellen. Eines Tages trieben es die Dorfjungen besonders arg. Jemand kam auf die Idee: "Decken wir dem Sepp das Dach ab. Mal sehen, wie fröhlich er bleibt, wenn er morgens aufwacht und sein Dach ist fort!" – Gesagt, getan. In aller Vorsicht deckten sie über Nacht das Dach ab, blieben aber doch nicht unbemerkt. Der Sepp überlegte: "Schimpfen, die Polizei rufen, alle verhaften lassen?" Nein, der Christ entschied anders. Als das Unternehmen beendet war und die jungen Leute sich verziehen wollten, stand plötzlich der Sepp in der Tür und sagte zu ihnen: "Ihr habt die ganze Nacht so schwer gearbeitet, jetzt braucht ihr erst mal ein ordentliches Frühstück. Kommt herein, ich habe alles gerichtet!"

Selbstverständlich haben die Burschen nach dem ausgiebigen Frühstück die Dachziegel wieder eingedeckt. So war das Dach wieder heil. Die Beziehung war nicht durch Hass oder Rache vergiftet. Und mancher der jungen Leute kam durch das Verhalten des Sepp zum Glauben an Jesus Christus. Was doch die Liebe vermag!

Jesus sagt: "Liebet eure Feinde; segnet, die euch fluchen; tut wohl denen, die euch hassen; bittet für die, so euch beleidigen und verfolgen, auf dass ihr Kinder seid eures Vaters im Himmel!"

(Matthäus 5,44f)

Kinderspiel

Das Leben ist kein Kinderspiel. Wirklich nicht. Aber die Kinderspiele sind ein Ausdruck der Lebenswirklichkeit. Alle klassischen Kinderspiele spiegeln das Alltagsleben wider. Schon Adam und Eva fingen damit an, sich zu verstecken, als sie schuldig geworden waren. Verbergen und Verstecken sind reizvolle und notvolle Lebensweisen geworden. Auch das "Schwarze-Peter-Spiel" begann schon unter den ersten Menschen. Adam schiebt den Schwarzen Peter der Eva und Eva der Schlange zu. So wird in der langen Geschichte der Menschen bis heute gespielt, indem einer dem anderen die Verantwortung zuschiebt. Mit welcher Lust spielen Kinder "Mensch-ärgere-dich-nicht!". Andere rausschmeißen, selber vorankommen. Mancher bleibt auf der Strecke, jeder möchte seine Steine nach Hause und in Sicherheit bringen. Das ist doch kein Spiel, sondern die harte Alltagswirklichkeit unseres Lebens. Auch das königliche Spiel ist ein Abbild des Menschen. Schach bietet tausend Möglichkeiten, aber immer ist das Ziel dasselbe, den Gegner matt zu setzen. König und Dame sind die wichtigen, die dummen Bauern die unwichtigen Figuren auf dem Feld des Lebens. Die Bauern werden geopfert, die Läufer müssen rennen, die Springer springen, der Turm muss in der Schlacht bestehen. Alles dreht sich um den König, aber die Dame ist im Grunde viel wirkungsvoller, und ohne die Dame sieht es schlecht aus. So ist das Leben.

Auch das beliebte Kinderspiel, das auf den Bürgersteigen gespielt wird, Himmel und Hölle, erinnert an den Ernst des Lebens. Jeder hat den Traum vom Himmel, und schnell ist man wieder unten in der Hölle gelandet. Und dann noch die kindliche Lust am Verkleiden und Maskieren. Wie amüsant sind Kindermaskeraden. Aber sind das nicht die Weisen, mit denen wir Erwachsenen voreinander bestehen? Verkleidet und maskiert, und das wahre Gesicht verbirgt sich hinter kostbaren und kunstvollen Masken. Und schließlich sind auch alle Kampfspiele, die man Kindern ohne Erfolg verbietet, ein Ausdruck tiefer Menschenart. Andere besiegen, unterkriegen und oben bleiben sind letzte und starke Wünsche des menschlichen Herzens. – Nein, unser Leben ist kein Kinderspiel. Die Welt, in der wir leben, ist kein Spielplatz, kein Schauplatz, sondern immer und für jeden der Ernstfall. Unser Leben ist einmalig und kostbar, wertvoll und hoch angesetzt. Darum wollen wir es nicht verspielen und vertändeln, zum Theater oder Schauspiel degradieren, sondern richtig leben, erfüllen und auch einmal vollenden bei dem, der das Leben ist, aus dem es quillt, zu dem es hinzielt, dem lebendigen Gott.

"Bei dir ist die Quelle des Lebens!"

(Psalm 36,10)

Leichtfertig und schwermütig

Im Wald treffen sich der Hase Leichtfertig und der Bär Schwermütig. Der Hase hüpft fröhlich daher, hat seine Löffel lustig aufgestellt, kratzt heiter seine Kurven in den Waldboden, trällert übermütig ein Lied in den warmen Tag hinein. Der Bär trottet müde und traurig daher, seine Ohren hängen schlaff herunter, seine Stimme ist verzweifelt, seine Augen sind matt und der kräftige Körper von Schwermut gelähmt. "Ach, es hat alles keinen Sinn, die Welt geht kaputt, die Bäume sind krank, die Luft verpestet, die Wasser vergiftet, der Honig ist auch nicht mehr in Ordnung nach Tschernobyl. Es ist alles so traurig und aussichtslos! Am besten verkrieche ich mich in einer Höhle und schlafe für immer ein."

Der Hase antwortet dem Bär: "Nimm das Leben nicht so schwer, du guter, alter brauner Bär! Nimm es leicht und locker, genieße die Tage und das Leben. Mach dir nicht so viele Sorgen, du änderst nichts. Lass die Fragen und Probleme. Freu dich an der Sonne, leb sorglos in den Tag hinein. Irgendwie geht es immer weiter, und am Ende müssen doch alle sterben!"

Leicht mit allem fertig sind die einen, schwer nehmen es die anderen. Überheblich tönen die einen, verzweifelt jammern die anderen. "Noch nie ging es uns so gut!" lauten die rosaroten Parolen. "Noch nie war alles so schlimm!" stehen die tiefschwarzen Prognosen dagegen.

Zwischen leichtfertig und schwermütig, zwischen überheblich und resigniert, zwischen rosarot und pechschwarz, zwischen Schönfärberei und Schwarzmalerei gibt es einen wunderbaren dritten Weg, der ehrlich die Nöte und Chancen sieht und liebevoll sein Leben einsetzt für Gott und seine Gemeinde, für Gott und seine Schöpfung, für Gott und seine Geschichte. Christen sind nicht lässig, aber gelassen, denn Christus ist der Herr! Christen sind nicht träge, sondern tragfähig, denn Jesus gebraucht unser Leben. Christen sind nicht übermütig, aber mutig, denn sie haben eine Zukunft mit Gott!

"Ihr aber seid getrost und lasst eure Hände nicht sinken; denn euer Werk hat seinen Lohn!"

(2. Chronik 15,7)

Ratschläge für Eilige

Eines Tages fuhr ich mit meinem Wagen in die Ferien. In einer kleinen badischen Stadt machte ich halt und ging in ein Gasthaus, um zu Mittag zu essen. Das Lokal war ziemlich besetzt. Ich war ungeduldig, dass ich so lange warten musste, bis die Kellnerin meine Bestellung aufnahm. Dann wartete ich. Aber das Essen kam und kam nicht. Ich wurde zappelig vor Unruhe, griff nach einer Zeitung, las und stieß auf einen interessanten Artikel über die Hast und Eile des modernen Menschen. Der Artikel schloss mit den Sätzen: "Wenn Sie sich um 13.30 Uhr beim Essen beeilen, können Sie um 14.15 Uhr bereits mit Ihrem Auto vor einer Mauer landen. Sie können schon um 14.30 Uhr im Krankenhaus sein. Kurz, wenn Sie sich immer beeilen, kommen Sie zu Ihrer eigenen Beerdigung zurecht!"

Zuerst musste ich lachen. Doch dann spürte ich plötzlich den tödlichen Ernst. Zu unserer eigenen Beerdigung kommen wir ganz bestimmt zurecht. Da brauchen wir nicht zu hetzen. Unsere Beerdigung findet nicht ohne uns statt. Der Tod holt uns schon ein. Auch zum Gericht Gottes nach dem Tod kommen wir ganz bestimmt zurecht. Zeitlich kommen wir zurecht. Aber das ist die viel wichtigere Frage, ob wir mit dem Sterben und dem Gericht Gottes zurechtkommen.

Alle Eile war von mir abgefallen. Es war mir plötzlich deutlich: Es gibt gar keine wichtigere Sorge für den Menschen als die: Wie komme ich im Sterben und im Gericht Gottes zurecht? Wie kann ich selig sterben und im Gericht Gottes bestehen? Alle eiligen Menschen sollten sich um diese Fragen mühen und Zeit nehmen. Ich bin froh, dass ich die Antwort kenne. Die Antwort ist ein einziger Name: Jesus! Jesus, der am Kreuz für uns – ach so eilige, verlorene, gehetzte Menschen starb, kann uns im Tode und im Gericht Gottes retten und bewahren. Lassen Sie uns einhalten mit unserer Eile. Wir wollen uns Zeit nehmen, Jesus zu suchen und das Leben zu finden.

(Wilhelm Busch)

Wohin soll denn die Reise gehen?

Wonach richtet der Kapitän den Kurs seines Schiffes, um sicher zum Ziel seiner Reise zu kommen? Nach den Wellen und Wogen? Nein, die kommen und gehen, von hier und von dort. Nach dem Wind? Nein, der dreht und wendet sich nach geheimnisvollen Gesetzen. Nach dem Wohlbefinden der Reisenden? Nein, das wechselt zu sehr. Einmal tanzen sie fröhlich im Salon. Dann liegen sie elend und seekrank herum. Nach eigenem Gutdünken? Nein, der Kapitän kann sich auf dem offenen Meer unmöglich orientieren und die Richtung finden und halten.

Der Kapitän eines Schiffes bestimmt den Kurs nach der Seekarte und dem Kompass. Um beide richtig ablesen zu können, braucht er eine Ausbildung und Unterweisung.

Wonach richten wir den Kurs unseres Lebens? Nach den Wellen der Begeisterung, den Winden des Zeitgeistes, den Strömungen der Mode, nach dem Wohlbefinden der Menschen, nach Lust und Laune, nach Denken und Erfahren?

Ein kluger Mensch richtet sein Leben nach dem Worte Gottes. Das ist unsere Seekarte. Darin sind die Lebenswege, aber auch die Gefahren und Klippen eingezeichnet. Der Kompass, der uns die Richtung finden und einhalten lässt, ist die Liebe Christi. Die Kraft, die Christus treibt und immer in die Richtung des Lebens weist, hilft uns, aus dem Wort Gottes richtig zu leben. Und zu allem brauchen wir die Unterweisung und das gute Licht des Heiligen Geistes, der uns hilft, die Karte und den Kompass richtig zu lesen und so zu gebrauchen, dass unser Lebensschiff ans Ziel seiner Reise kommt.

"In keinem andern ist das Heil, ist auch kein andrer Name den Menschen gegeben, darin wir sollen selig werden!"

(Apostelgeschichte 4,12)

Zwischen Zufall und Zerfall

"Wir Menschen sind aus Zufall geboren, leben weiter aus Schwäche und sind zu feige, uns umzubringen", soll Jean-Paul Sartre gesagt haben. Am Anfang des Lebens soll der Zufall stehen, am Ende das Nichts, der Zerfall. Dazwischen liegt ein kurzes, von Angst verkrampftes, von Gier verzehrtes Leben. Zwischen Zufall und Zerfall bleibt nur die letzte Sinnlosigkeit und Leere. Das Leben bleibt von Überheblichkeit und Vermessenheit einerseits und Feigheit und Schwäche andererseits gekennzeichnet. Aus dem Nichts und in das Nichts kann das Leben selbst auch nur ein Nichts sein.

Dem ehrlichen Bekenntnis zum Nihilismus steht das überzeugende Bekenntnis von Menschen gegenüber, die für ihr Leben eine wunderbare Entdeckung gemacht haben. Menschen sind aus der Liebesabsicht Gottes geboren, reifen unter der Fürsorge Gottes zu dem großen Ziel, einmal ewig mit Gott verbunden zu sein.

"Herr du erforschest mich und kennest mich.
Ich danke dir dafür dass ich wunderbar gemacht bin.
Deine Augen sahen mich, als ich noch nicht bereitet war
und alle Tage waren in dein Buch geschrieben,
die noch werden sollten und von denen keiner da war.
Am Ende bin ich noch immer bei dir!"

(aus Psalm 139)

Das Leben geht rund

Ein Kugelschreiber besteht aus vielen unterschiedlichen Teilen. Alle zusammen bilden ein nützliches Ganzes. Winzig, aber wichtig ist die kleine Kugel in der Mine, nach der der Schreiber benannt ist. Die Kugel ist klein, aber ohne sie läuft nichts. – Auch der Mensch lebt in einem großen Zusammenhang. Im Blick auf den Kosmos ist der Mensch winzig, aber für die Gestaltung des Lebens wichtig. Wie die kleine Kugel lebt der Mensch sorgsam eingefasst und in die größeren Zusammenhänge des Lebens sinnvoll eingebunden.

Eines Tages möchte die kleine Kugel vielleicht ihre Freiheit. Sie will nicht immer in der Mine rollen, von höherer Hand geführt, einen Sinn erfüllen. Sie will raus und frei sein. Bricht man die Mine auf, wird das Ganze zerstört. Die Kugel erhält ihre Freiheit. Sie rollt auf die Erde, verschwindet in einer Fußbodenritze, wird zertreten oder landet irgendwo tief im Dreck. Sie ist zwar frei, aber sinnlos. Sie wird nicht mehr geführt, aber sie ist verschwunden. Sie hat die Fassung verloren, den Halt, den Sinn, den Zusammenhang. Sie ist frei, aber allein und wertlos. – In der Mine eingefasst, in das Ganze eingebunden, von sorgsamer Hand geführt, ist die Kugel wirklich frei. Sie kann sich nach allen Richtungen drehen und wenden. Ihr kleines Kugelleben ist wunderbar geborgen und sinnvoll. Indem sie rollt, bringt sie die Farbe der Mine auf das Papier. Gott möchte mit unserem Leben seine Geschichte schreiben. Wir sollen, indem unser Leben von seiner Hand geführt wird, seine Liebe zu den Menschen bringen. Gott will seine Liebesbriefe, Trostbriefe, Mahnbriefe an Menschen schreiben und möchte unser Leben dazu benutzen. Unser Leben geht rund für Gott und seine Absichten. In der Hand Gottes werden wir nicht eingeengt, sondern bewahrt und festgehalten, dazu noch gebraucht und sinnvoll eingesetzt.

Wollen wir als winzige Menschen in irgendeiner Ritze der Weltgeschichte verschwinden, sinnlos von irgendeiner Macht zertreten werden? Oder soll unser Leben in die Liebe Jesu eingefasst, von Gottes Hand geführt rund gehen und abrollen, geborgen und bewahrt, gebraucht und sinnvoll sein? Mein Leben geht rund für Jesus. Das ist meine Freiheit und Geborgenheit zugleich.

"Das ist meine Freude, dass ich mich zu Gott halte und meine Zuversicht setze auf Gott den Herrn, dass ich verkündige all dein Tun!"

(Psalm 73,28)

Das Leben feiern

Für die Juden ist der Sabbat mehr als nur ein Ruhetag. Sie nennen den Feiertag eine Braut oder eine Königin. Es ist etwas Hochzeitliches, Festliches um den Sabbat. Er ist die Krönung der Alltage mit ihrer Arbeit und Mühe, Sorge und Last. Der Sabbat ist die Krönung des Daseins. Gott lädt sein Volk ein zu den Vollendungsfeierlichkeiten seiner Schöpfung. Menschen sollen teilhaben an der Schöpfungsfreude Gottes. Sie sollen mit ihm das Geschaffene schauen und es mit den Augen Gottes sehr gut, sehr gelungen finden.

Das Werk eines Künstlers ist nicht zu Ende, wenn es fertig ist. Jetzt erst beginnt seine Wirkungsgeschichte. Die Schöpfung geht weiter.

Gott vollendete und ruhte am siebenten Tag. Sein Ziel ist die Vollendung und schöpferische Ruhe. Dann segnete und heiligte Gott den siebenten Tag. Das erinnert uns daran, dass unser Leben letztlich nicht durch die Arbeit und Leistung, sondern durch Gottes Segen und Heiligung vollendet wird. Die Krönung des Lebens empfangen wir aus seiner segnenden und heiligenden Hand.

Der Feiertag ist darum vollendetes Sein mit Gott. An diesem Tag geschieht die Verwandlung von Arbeitsmenschen in Feiertagsmenschen, von Gebeugten zu Königen . Am Feiertag erneuert und vollendet sich unser Leben. Wir werden mit Gott eins. Ist das zu hoch, zu viel, zu schön, um wahr zu sein? Auch das wissen die Juden. Glauben sie doch, dass der Messias kommt, wenn sie einen einzigen Sabbat vollendet feiern können. Wie unendlich schwer muss es also für uns Menschen sein, einen einzigen Feiertag wirklich vollkommen zu halten.

Doch Gott hat seinen Messias gesandt und sein Heil geschenkt. Denn auch darin ist er nicht an unsere Leistung, sondern an seine Liebe gebunden. Das Heil hängt an Jesus und nicht am Halten von Feiertagen. Aber um wie viel Lebensfreude und schöpferische Ruhe bringen sich Menschen, wenn sie Gottes Hochzeitstage zu Tagen voller Stress und Hektik, Lärm und Unruhe, Reisen und Rasen machen? Wer sich Zeit nimmt für Gott, verliert nichts. Er gewinnt Ruhe und Frieden, Leben und Heil, Zeit und Ewigkeit!

Gott gab der Seele einen Feiertag. Und wir müssen dem Feiertag eine Seele geben: die Zeit für Gott!